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Abteilung Regionale Versorgung I und II

Zielgruppe
In den beiden Abteilungen "Regionale Versorgung 1 und 2" werden Patienten aus dem Großraum Stuttgart vollstationär psychotherapeutisch behandelt und psychosomatisch versorgt, bei denen sich eine ambulante Therapie aufgrund der Schwere und Komplexität der Erkrankung als nicht ausreichend erwiesen hat. Häufig erscheint auch eine Herauslösung aus einem krankheitserhaltenden sozialen Umfeld sinnvoll, genauso wie die Verankerung der Symptomatik in der Persönlichkeit eines Patienten die Kombination verschiedener psychotherapeutischer Methoden und Verfahren bedingen kann.

Das Angebot richtet sich an Erwachsene etwa zwischen dem 25. und 50. Lebensjahr, die unter einer psychischen oder psychosomatischen Erkrankung leiden. Zumeist handelt es sich um Kombinationen von sogenannten Affektiven Störungen (wie z.B. einer Depression), Belastungsreaktionen und Somatoformen (d.h. "körperähnlichen") Störungen sowie Essstörungen vor dem Hintergrund oftmals sehr konflikthafter und belasteter Persönlichkeitsentwicklungen.


Behandlungskonzept
In das psychodynamische Konzept der Abteilung, das grundsätzlich auf einer Konfliktbearbeitung vor dem Hintergrund der lebensgeschichtlichen Erfahrungen eines Patienten basiert, sind zusätzlich verhaltenstherapeutisch-bewältigungsorientierte Behandlungsaspekte einbezogen. Wegen des großen Anteils von Patientinnen mit Realtraumatisierung werden auch Elemente einer traumaspezifischen Psychotherapie integriert, u.a. imaginative Stabilisierungsübungen, die regelmäßig 2-mal in der Woche stattfinden.

Die Gruppentherapie zielt ab auf die Verbesserung der Beziehungsfähigkeit, der Kompetenz zur konstruktiven Auseinandersetzung zwischen den Patienten, zur Integration und zum Aufbau eines ausreichenden seelisch-körperlichen Schutzsystems. In den Einzelsitzungen stehen die Vertiefung der Fähigkeiten zur Einsicht und zum inneren Dialog, die Verbesserung der Möglichkeiten zur Steuerung von Impulsen und Gefühlen sowie die Begrenzung der Selbstschädigung zugunsten der positiven Selbstfürsorge im Zentrum.

In der Gestaltungstherapie findet eine Auseinandersetzung mit verschiedenen Materialien und Methoden (typischerweise Malen oder Tonen) statt, die das Empfinden und Erleben im Handeln ermöglicht und die Fähigkeit zur Reflexion von Verhalten und Gefühlen fördert.

In der konzentrativen Bewegungstherapie wird über die Hinwendung, Wahrnehmung und Umsetzung von Bewegungs- und Handlungsimpulsen die Differenzierung der Körper- und Selbstwahrnehmung gefördert und über das Verbalisieren der körpereigenen Symbolik auch das unbewusste Material dem Bewusstsein zugänglich gemacht.

Die Sozialtherapeutin klärt kurz nach der Aufnahme im Einzelgespräch mit den Patienten deren soziale Situation und spricht evtl. notwendige Behandlungsschritte an. In den Einzelsitzungen werden die individuellen Konfliktbereiche vor dem Hintergrund der allgemeinen Lebenssituation besprochen. Zur Erprobung der physischen und psychischen Belastbarkeit der Patienten werden gegebenenfalls auch Arbeitsversuche durchgeführt.


Behandlungsangebot
Die Abteilung Regionale Versorgung 1 mit dem Schwerpunkt auf der Behandlung von Patienten mit Persönlichkeitsstörungen verfügt über 6 Behandlungsplätze, die Abteilung Regionale Versorgung 2 über 9 Plätze.

Therapieplan
An abteilungsübergreifenden "freien Therapieangeboten" (weitere Entspannungsverfahren, Freies Gestalten, Musikmeditation, Bogenschießen) kann ebenfalls teilgenommen werden.


Behandlungsablauf
Die Notwendigkeit und Möglichkeit einer vollstationären Behandlung in unserem Fachkrankenhaus wird vor der Aufnahme sorgfältig geprüft. Die Interessenten werden gebeten, einen "Selbstbericht" auszufüllen, die vorbehandelnden Ärzte oder Psychotherapeuten werden um eine kurze Stellungnahme gebeten. Grundsätzlich wird ein ambulantes Vorgespräch durchgeführt, das der Klärung der Möglichkeit einer stationären Behandlung sowie deren Voraussetzungen dient. Jeder Patient wird in den ersten Tagen von seinem Paten, d.h. einem Mitpatienten seiner Abteilungsgruppe, begleitet. Ab dem 2. Aufenthaltstag ist die Teilnahme am Therapieprogramm der Abteilung verbindlich.

Die Behandlung ist in das therapeutische Konzept der Gesamtklinik unter dem Aspekt der therapeutischen Gemeinschaft eingebettet. Wir gehen von einer durchschnittlichen Behandlungsdauer zwischen in der Regel mindestens 4, höchstens etwa 10 bis 12 Wochen aus. Gelegentlich werden auch sogenannte "Intervalltherapien" vereinbart, bei denen zwei oder sogar drei Klinikaufenthalte von längeren Phasen ambulanter Behandlung unterbrochen werden.


Behandlungsziele

Das Ziel der Behandlung besteht allgemein in der Entwicklung einer ausreichenden psychischen Stabilität bei häufig in ihren Ich-Funktionen erheblich beeinträchtigten Patientinnen und Patienten, in der Zunahme von Fähigkeiten zur besseren Selbststeuerung, in der Fähigkeit zu vertiefter Einsicht und zum "inneren Dialog", der Entwicklung eines zunehmenden Verständnisses für die Krankheitszeichen, der Stärkung der allgemeinen Beziehungsfähigkeit, der Entdeckung von Ressourcen und inneren Kräften, der Verbesserung der Konflikt- und damit Beziehungsfähigkeit, der Förderung von positiven Selbstbildern und der Auseinandersetzung mit der Bedeutung und den Folgen der Erkrankung, der Verbesserung der Realitätsanpassung, der Stärkung der Selbstfürsorge sowie der Stärkung der Selbstwirksamkeit. Insbesondere die nonverbalen Therapien dienen der Affektwahrnehmung, -differenzierung und deren Verbalisierung sowie der Stärkung der Handlungsfähigkeit und des Selbsterlebens.

Die stationäre Behandlung in dieser Abteilung dient auch dem Aufbau bzw. der Stärkung einer ausreichenden Motivation für eine anschließend häufig indizierte längerfristige ambulante Psychotherapie.