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Team "Angststörungen"

Zielgruppe
Angst ist eine grundlegende Erfahrung jeder menschlichen Existenz, die wegen ihrer weitreichenden Bedeutung vielfältig zum Gegenstand von Kunst, Literatur und der Wissenschaften gemacht wurde. Als Gefahrensignal dient Angst ursprünglich - wie andere Gefühle auch - der raschen Orientierung in einer möglicherweise feindlichen oder bedrohlichen Umwelt. Trotz dieser für unser Überleben und unsere Anpassung an die Umwelt überaus wichtigen Signalfunktion kann Angst allerdings zum Problem werden, wenn Ängste so stark werden, dass sie quälend und lähmend den Betroffenen letztlich hilflos und handlungsunfähig machen. Dies ist bei den sogenannten Angststörungen der Fall. Angststörungen als Beeinträchtigung des Lebens im Sinn von Krankheit (pathologische Ängste) sind - als nach den Depressionen zweithäufigste psychische Störung - dann gegeben, wenn die Ängste

  • scheinbar ohne jede reale Bedrohung auftreten
  • zu lange andauern
  • auch nach Beseitigung einer realen Bedrohung andauern
  • unangemessen stark und zu häufig auftreten
  • mit unangenehmen körperlichen Symptomen verbunden sind
  • mit einem Verlust der Kontrolle über Auftreten und Andauern verbunden sind
  • keine Bewältigungsstrategien verfügbar sind
  • ausgeprägte Erwartungsängste ("Angst vor der Angst") zur Folge haben
  • keine Erklärungskonzepte zur Beruhigung vorhanden sind
  • zur Vermeidung der Angst machenden, objektiv ungefährlichen Situationen führen
  • Unterlassungen wichtiger Aktivitäten zur Folge haben
  • Lebenseinschränkungen (vor allem soziale und berufliche Behinderung) bewirken
  • sehr belasten und starkes Leid verursachen

In der Abteilung für Angststörungen werden Patienten mit krankheitswertigen Ängsten behandelt, bei denen ambulante Maßnahmen entweder nicht ausreichen oder nicht zur Verfügung stehen, denn ohne eine psychotherapeutische und/oder medikamentöse Therapie tendieren diese Erkrankungen dazu, in Ausmaß und Umfang zuzunehmen, zu chronifizieren und das Selbstgefühl der Betroffenen zu zermürben. Eine besonders schwerwiegende Folge von unbehandelten Angststörungen ist in diesem Zusammenhang ein ausgeprägtes Vermeidungsverhalten mit zunehmender "Angst vor der Angst", und eine dadurch bedingte massive Einschränkungen in Hinblick auf Arbeitsfähigkeit und Lebensführung. Häufig kommt es zu sozialem Rückzug und starker Abhängigkeit von Bezugspersonen.
 
Im Einzelnen richtet sich unser Behandlungsangebot vor allem an Patienten mit

  • Agoraphobie - der Angst, in Situationen der Enge keinen Fluchtweg oder Helfer zu haben, z.B. Angst in der Straßenbahn, im Tunnel oder in weiten Räumen, vor großen Plätzen und Menschenansammlungen
  • Panikstörungen - der Angst "aus heiterem Himmel" - mit heftigen, immer wiederkehrenden scheinbar situationsunabhängigen Angstanfällen
  • generalisierter Angststörung - unkontrollierbare Sorgen, Befürchtungen und andauernde Ängste
  • sozialen Phobien - der Angst vor den Anderen: Angst vor kritischer Beurteilung durch andere Menschen, vor öffentlichen Situationen
  • Posttraumatische Belastungsstörungen - der Angst durch Wiedererinnern eines Traumas, das heißt eines seelisch schwer belastenden Ereignisses
  • Akute Belastungsstörung - der Angst als Schockzustand
  • Ängste bei anderen psychischen Störungen wie Anpassungsstörungen, dissoziativen Störungen, somatoformen Störungen mit körperbezogenen Ängsten
  • Ängsten vor Krankheiten bzw. der Angst, dass irgendetwas mit dem eigenen Körper nicht stimmt
  • Beziehungsängsten wie Trennungsängsten, Verlassenheitsängsten, Angst vor Verlust wichtiger Angehöriger, wenn deren Ängste noch nicht oder nicht mehr einer ambulanten Therapie zugänglich sind.


Behandlungskonzept
Wir vertreten in unserem Behandlungsansatz für Angststörungen ein theoretisch breitgefächertes und integratives Konzept unter Berücksichtigung neurobiologischer, lerntheoretischer, kognitiver, psychodynamischer bzw. psychoanalytischer, interaktiv-systemischer, entwicklungspsychologischer und sozialer Aspekte.
Unser integratives Behandlungskonzept bietet damit eine Kombination einsichtsorientierter und bewältigungsorientierter Therapien. Je nach Schweregrad kann eine begleitende medikamentöse Behandlung den Therapieprozess unterstützen. Unser Behandlerteam, bestehend aus Mitarbeitern verschiedener Berufsgruppen, erarbeitet gemeinsam mit dem Patienten sowohl ein "psychodynamisches" Verständnis (Einsicht in das Kräftespiel der Seele, Aufarbeitung verdrängter Konflikte) als auch praxisnahe Bewältigungsmöglichkeiten der Angst (z.B. Veränderung des Vermeidungsverhaltens).


Behandlungsangebot
Die Abteilung für Angststörungen verfügt über 7 Behandlungsplätze. Die als Kombination aus Einzel- und Gruppensetting konzipierte Therapie umfasst die

Sozialtherapeutische Gespräche werden bei Bedarf als individuell vereinbarte Einzelkontakte angeboten. Auch Paar- und Familiengespräche können bei entsprechender Indikation durchgeführt werden.

In der psychodynamischen Gruppenpsychotherapie werden wechselseitige Beziehungen und die Prägung des Gruppenprozesses durch jeweils sehr individuelle Beziehungsmuster und -konflikte spürbar sowie bisherige, häufig einseitige und einengende Bewältigungs- und Verhaltensstrategien erfahrbar und so einer allmählichen Veränderung zugänglich. Im Rahmen der Bezugspflege werden die Patientinnen und Patienten der Abteilung durch eine Bezugsschwester oder deren Vertreterin als Ansprechpartnerin für aktuelle Belange und Fragen der Bewältigung des Klinikalltages begleitend unterstützt.


Behandlungsablauf

Die Notwendigkeit und Möglichkeit einer vollstationären Behandlung in unserem Fachkrankenhaus wird vor der Aufnahme sorgfältig geprüft. Die Interessenten werden gebeten, einen Selbstberichtfragebogen auszufüllen, die vorbehandelnden Ärzte oder Psychotherapeuten um eine kurze Stellungnahme gebeten. Grundsätzlich wird ein ambulantes Vorgespräch durchgeführt, das der Klärung der Möglichkeit einer stationären Behandlung sowie deren Voraussetzungen dient. Jeder Patient wird in den ersten Tagen von seinem Paten, d.h. einem Mitpatienten seiner Abteilungsgruppe, begleitet. Ab dem 2. Aufenthaltstag ist die Teilnahme am Therapieprogramm der Abteilung verbindlich.

Die Behandlung ist in das therapeutische Konzept der Gesamtklinik unter dem Aspekt der therapeutischen Gemeinschaft eingebettet. Wir gehen von einer durchschnittlichen Behandlungsdauer zwischen in der Regel mindestens 4, höchstens etwa 10 bis 12 Wochen aus.


Behandlungsziele
Das Ziel der Behandlung besteht allgemein in der Entwicklung einer ausreichenden psychischen Stabilität bei häufig in ihren Ich-Funktionen durch Angst und Ängste erheblich beeinträchtigten Patientinnen und Patienten, in der Zunahme von Fähigkeiten zur besseren Selbststeuerung, in der Fähigkeit zu vertiefter Einsicht und zum "inneren Dialog", der Entwicklung eines zunehmenden Verständnisses für die Krankheitszeichen (Angst als Ausdruck innerer und äußerer ungelöster Konflikte einerseits, als Ergebnis verfehlter Lernvorgänge andererseits), der Entdeckung von Ressourcen und inneren Kräften, der Verbesserung der Konflikt- und damit Beziehungsfähigkeit, der Förderung von positiven Selbstbildern und der Auseinandersetzung mit der Bedeutung und den Folgen der Erkrankung, der Verbesserung der Realitätsanpassung, der Stärkung der Selbstfürsorge sowie der Stärkung der Selbstwirksamkeit. Insbesondere die nonverbalen Therapien dienen der Affektwahrnehmung, -differenzierung und deren Verbalisierung sowie der Stärkung der Handlungsfähigkeit des Selbsterlebens.
 
Die stationäre Behandlung in dieser Abteilung dient auch dem Aufbau bzw. der Stärkung einer ausreichenden Motivation für eine anschließend häufig indizierte längerfristige ambulante Psychotherapie.