Abteilung Psychotherapie bei Musikern
ZielgruppeDas stationäre psychosomatische und psychotherapeutische Angebot richtet sich an Menschen, die Musik professionell betreiben oder bei denen Musik eine wesentliche Rolle in ihrer Lebensgestaltung spielt. Musik hat einerseits fördernde und heilende Kräfte, es kann aber auch zu vielfältigen Störungsbildern im Zusammenhang mit der Musikausübung kommen. Dies kann so weit führen, dass aus gesundheitlichen Gründen die intensive oder berufliche Beschäftigung mit Musik vorübergehend oder dauerhaft unmöglich wird.
Behandelt werden können bei dieser Zielgruppe neurotische Störungen (z.B. depressive Störungen, Angststörungen, Zwangsstörungen), Belastungsstörungen (z.B. Verlusterlebnisse, Trauerreaktionen, nicht zu bewältigender Stress), Persönlichkeitsstörungen wie auch vornehmlich den Körper betreffende psychosomatische Beschwerdebilder.
Behandlungskonzept
Die Behandlung erfolgt entsprechend den allgemeinen Prinzipien einer integrierten stationären Psychotherapie, bei der sich in einem multimodalen Ansatz verbale und non-verbale Methoden ergänzen:
Analytisch orientierten Einzel- und Gruppentherapie sind primär konflikt- und einsichtsorientiert, auch in der Musik- und Körpertherapie steht die Auseinandersetzung mit der Innenwelt und der Beziehungsgestaltung im Vordergrund. Dagegen behandelt die Sozialtherapie Fragen der realen Alltagsbewältigung, hilft bei Weichenstellungen hinsichtlich neuer Orientierungen bis hin zur Durchführung von Arbeitsversuchen oder der Hilfestellung bei Bewerbungen.
Die verschiedenen Behandlungsbausteine sind eingebettet in das therapeutische Konzept der Gesamtklinik, das unter dem Aspekt einer therapeutischen Gemeinschaft den Rahmen für den individuellen Behandlungsverlauf darstellt. Die tragfähige Atmosphäre in der Abteilungsgruppe stellt eine wesentliche Voraussetzung für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit dar. Hilfreich sind ergänzende Erfahrungen und Rückmeldungen gerade auch durch die anderen Gruppenmitglieder. Im Behandlerteam wird zudem auf größtmögliche Konstanz geachtet, so werden Sie z.B. während der gesamten Behandlungsdauer von Ihrer Bezugsschwester durch den Alltag der Klinik begleitet.
Behandlungsangebot
Die Abteilung verfügt über 6 Behandlungsplätze. Körperliche und seelische Beschwerden werden gleichermaßen beachtet und mit den jeweils geeigneten Maßnahmen behandelt. Bei Bedarf ergänzen sich Psychotherapie und Psychopharmaka.
- Analytisch orientierte Einzeltherapie 2 x 50 Minuten/Woche
- Analytisch orientierte Gruppentherapie 2 x 100 Minuten/Woche
- Musiktherapie (für Musiker bietet sich 2 x 90 Minuten/Woche die Möglichkeit, Musik fern ihrer gewohnten Formen zu begegnen)
- Integrative Körper- und Bewegungstherapie 2 x 90 Minuten/Woche
- Qigong 1 x 60 Minuten/Woche
- Sozialtherapie in Einzelkontakten bei Bedarf
- Täglich 2 Kontakttermine mit der Bezugsschwester
- Donnerstag Nachmittag gemeinsame Gruppenaktivität
- bei Bedarf Arbeitsversuch (2 x 3 Stunden/Woche)
- bei Bedarf körpermedizinische bzw. physiotherapeutische Angebote
Für Musiker besteht bei Bedarf die Möglichkeit, in einem abgeschlossenen Raum zu üben.
Behandlungsablauf
Vor Beginn werden Notwendigkeit und Möglichkeit einer stationären Behandlung sorgfältig geprüft. Daher bitten wir Interessierte, einen "Selbstbericht" und einen Fragebogen für Musiker auszufüllen und eine kurze Einschätzung durch den vorbehandelnden Arzt oder Psychotherapeuten zu veranlassen. Üblicherweise führen wir ein ambulantes Vorgespräch durch. Dieses dient dem gegenseitigen Kennenlernen, gleichzeitig können wichtige Voraussetzungen für eine stationäre Behandlung geklärt werden. Jeder Patient wird in den ersten Tagen von seinem Paten, d.h. einem Mitpatienten seiner Abteilungsgruppe, begleitet. Ab dem 2. Aufenthaltstag ist die Teilnahme am Therapieprogramm der Abteilung verbindlich.
Die Behandlungsdauer wird individuell mit jedem einzelnen Patienten abgestimmt, in der Regel wird sie im Rahmen von 4 bis 8 Wochen ablaufen. Häufig mündet die Behandlung im Anschluss in eine weiterführende ambulante Therapie.
Behandlungsziele
- Aufarbeitung des "musikalischen Lebenslaufs", Suche nach den störenden Mustern, Finden neuer Lösungen entweder in der bisherigen Tätigkeit oder ggf. in neuer beruflicher Orientierung
- Fördern von Selbstständigkeit und Eigenverantwortung
- Verbessern sozialer Fähigkeiten
- Fördern des Gegenwartsbezugs
- Erkennen gesundheitsfördernder Ressourcen
- Erarbeiten umsetzbarer Lösungen
- Lebensrückblick und Lebensausblick
- Stärkere Berücksichtigung des Körpers
- Bearbeiten von Verlusten
- Verbesserung des Befindens