Zielgruppe

Das stationäre psychotherapeutische Angebot in der Abteilung für die Psychotherapie von Patientinnen und Patienten mit Essstörungen richtet sich an Menschen, die an einer Magersucht (d.h. einer anorektischen Erkrankung), einer Ess-Brechsucht (d.h. bulimischen Essstörung), ggf auch einer Binge-Eating-Störung bzw. an einer Mischform dieser Krankheitsbilder leiden. Eine stationäre psychotherapeutische Behandlung ist besonders dann sinnvoll, wenn

  • eine ambulante Behandlung nicht zu einem ausreichenden Erfolg führt
  • vielfältige körperliche Folgeerkrankungen dies erforderlich machen
  • eine Gewichtsabnahme sehr rasch erfolgt bzw. die/der Betroffene sich trotz deutlichen Untergewichts immer noch als zu dick erlebt bzw. sich Ess-Brech-Anfälle verselbstständigt haben
  • zusätzlich anderes Suchtverhalten oder andere symptomatische Verhaltensweisen bestehen.

 

Behandlungskonzept

Diese typisch psychosomatischen Krankheitsbilder führen häufig, insbesondere bei längerem Verlauf, zu erheblichen körperlichen und sozialen Konsequenzen, die sekundär häufig weitere Körper, Seele und Umwelt betreffende Probleme und Konflikte mit sich bringen. Insofern steht die Auseinandersetzung mit und Begrenzung von diesen - letztlich selbstzerstörerischen - Verhaltensweisen im Mittelpunkt unseres Behandlungsansatzes. Gleichzeitig werden zugrundeliegende Konflikte und Entwicklungsdefizite im Rahmen des stationären Aufenthaltes bearbeitet, um auch nach dem Klinikaufenthalt ein normaleres Essverhalten aufrechterhalten zu können. Häufig ist aufgrund eines mangelnden Selbstgefühls und auch aufgrund erheblicher Schwierigkeiten in der Identitätsfindung die altersgemäße Ablösung vom Elternhaus, die Suche nach Eigenständigkeit und Übernahme von Verantwortung in hohem Maße behindert.

 

Behandlungsangebot

  • Psychodynamisch orientierte Gruppentherapie 3x 100 min/Woche
  • Psychodynamisch orientierte Einzeltherapie 1x 50 min/Woche
  • Regelmäßige Kontakte zur Bezugpflegeperson der Abteilung
  • Symptomgruppe 1x 100 min pro Woche
  • Ernährungsgruppe 1x 90 min pro Monat
  • Gestaltungstherapie (Dreidimensionales Gestalten) 2x 100 min pro Woche
  • Konzentrative Körper- und Bewegungstherapie 2x 90 min/Woche
  • Sozialtherapie im Einzelkontakt nach Indikation und Bedarf oder in der Gruppe
  • Nordic Walking 1x 60 min Woche
  • Als verhaltenstherapeutische Therapieelemente: gemeinsame Mahlzeiten der Patientinnen, Symptombesprechung, regelmäßige Gewichtskontrolle und einen Gewichtsvertrag bei untergewichtigen Patientinnen
  • Bedarfsgruppe
  • Bei entsprechender Indikation werden auch Familiengespräche durchgeführt. Daneben stehen abteilungsübergreifend "Freie Therapieangebote" zur Verfügung Bei entsprechender Notwendigkeit wird die Behandlung nach Absprache mit dem Patienten ergänzt durch körpermedizinische und physiotherapeutische Maßnahmen sowie möglicherweise auch die Gabe von Psychopharmaka. 

 

Behandlungsablauf

Vor dem Beginn der stationären Behandlung wird die Notwendigkeit und Möglichkeit einer psychotherapeutischen Behandlung in der Sonnenberg Klinik sorgfältig überprüft. In der Regel führen wir ein ambulantes Vorgespräch durch, welches dem gegenseitigen Kennenlernen, aber auch der Klärung wichtiger Fragen und Voraussetzungen im Hinblick auf eine Behandlung in unserer Klinik dient. Jeder Patient wird in den ersten Tagen von seinem Paten, d.h. einem Mitpatienten seiner Behandlungsgruppe, begleitet. Ab dem 2. Aufenthaltstag ist die Teilnahme am Therapieprogramm der Abteilung verbindlich.

Insbesondere in der Behandlung von Patientinnen und Patienten mit Essstörungen hat sich die Durchführung der Therapie in einer homogenen Gruppe von Menschen mit ähnlichen Symptombildungen sehr bewährt. Eigene Schwierigkeiten und Konflikte werden oft besser verständlich, wenn der Betreffende sie auch bei einem anderen Menschen beobachten kann.

Aufnahmevoraussetzung ist ein BMI von mindestens 14,5 (BodyMass-Index: Körpergewicht geteilt durch die Körpergröße2). Bei Patientinnen mit einem BMI unter 18 wird in der Auftaktphase der Behandlung ein Gewichtsvertrag vereinbart, der in der Regel eine wöchentliche Gewichtszunahme von 500 g vorsieht.

 

Behandlungsziele

Die Behandlungsziele werden zusammen mit jedem Patienten individuell formuliert und sind von verschiedenen Aspekten abhängig, z.B. dem zugrundeliegenden Störungsbild, der Krankheitsdauer, aber auch den Wünschen, Vorstellungen und Möglichkeiten unserer PatientInnen. Im Vordergrund steht die Einflussnahme auf die in der Regel oft schon mehrere Jahre bestehende Symptomatik sowie deren körperliche und psychosoziale Folgen. Dabei hat es sich bewährt, schon zu Beginn der Behandlung gemeinsame Zielvorstellungen zu formulieren, z.B. bestimmte Gewichtsziele auszuhandeln. Zum Auftakt der Behandlung steht die Etablierung eines tragfähigen Arbeitsbündnisses im Vordergrund, zum Ende der Therapie nimmt in der Regel auch die Planung der Zeit nach dem Klinikaufenthalt, sowohl hinsichtlich der sozialen Situation wie auch bezüglich einer ambulanten Fortführung der Therapie besonderen Raum ein. Die Ziele der Behandlung müssen selbstverständlich im Verlauf des Prozesses immer wieder überprüft und auch hinsichtlich ihrer Realisierbarkeit kritisch überdacht werden.